Ausgabe vom Donnerstag, 24. September 2026
Erstes Blatt

KöpfePorträt

Christian Fischer, Bosch: Der Chef, der den größten Zukauf verantwortete

Seit dem 1. Juli 2026 führt Christian Fischer die Robert Bosch GmbH. Im ersten Halbjahr steuerte das Klimageschäft, dessen Kauf er als Vize verantwortet hatte, rund zwei Milliarden Euro Umsatz bei. Ein Porträt über eine Entscheidung und ihre Zahlen.

Von Konstantin Weyrauch, Redakteur Köpfe & Unternehmen6 Min. Lesezeit

Christian Fischer, Bosch: Der Chef, der den größten Zukauf verantwortete
Symbolbild: Erstes Blatt (KI-generiert)

Rund zwei Milliarden Euro. So viel Umsatz hat das zugekaufte Heizungs-, Lüftungs- und Klimageschäft von Johnson Controls und Hitachi im ersten Halbjahr 2026 zum Wachstum der Bosch-Gruppe beigetragen, wie das Unternehmen am 23. September mitgeteilt hat. Die Gruppe kam in diesen sechs Monaten auf 46,4 Milliarden Euro, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Rechnet man die zwei Milliarden heraus, bleibt weniger als der Vorjahreswert von 44,8 Milliarden Euro.

Verantwortet hat diesen Kauf Christian Fischer, damals stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Seit dem 1. Juli 2026 führt er die Robert Bosch GmbH. Er folgte auf Stefan Hartung, der sein Mandat nach Angaben des Unternehmens auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen mit den Gesellschaftern zum 30. Juni niedergelegt hat.

Steckbrief

Stationen, Mandate und Zahlen stammen aus dem Lebenslauf im Bosch Media Service (UA) und aus Pressemitteilungen der Robert Bosch GmbH (PM). Stand: 23. September 2026.

Jahr Station oder Zahl Quelle
1996 Kaufmännischer Trainee, Fachreferent Corporate Planning und Controlling, Robert Bosch GmbH UA, Lebenslauf
1999 Competence Center Restructuring und Corporate Finance, Roland Berger Strategy Consultants UA, Lebenslauf
2003 Partner und Mitglied der Geschäftsleitung, Roland Berger UA, Lebenslauf
2004 Vorstand, CFO und CRO, Walter Bau AG vereinigt mit Dywidag UA, Lebenslauf
2006 Vorstand und CFO, Smartrac N.V., Amsterdam UA, Lebenslauf
2007 Vorstandsvorsitzender, Smartrac N.V. UA, Lebenslauf
2014 Senior Partner, Leiter des Stuttgarter Büros, Roland Berger GmbH UA, Lebenslauf
2018 Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH (Oktober) UA, Lebenslauf
2022 Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung; Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG (jeweils Januar) UA, Lebenslauf
2026 Vorsitzender der Geschäftsführung (1. Juli) PM vom 26.06.2026
Mandat Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG seit Januar 2022 UA, Lebenslauf
Zahl 2024 Kaufpreis Klimageschäft Johnson Controls/Hitachi: 8 Milliarden US-Dollar (7,4 Milliarden Euro) PM vom 23.07.2024
Zahl 2025 Bosch-Gruppe: 91 Milliarden Euro Umsatz, rund 413.000 Beschäftigte PM vom 23.09.2026
Zahl H1 2026 46,4 Milliarden Euro Umsatz, operative EBIT-Rendite 4,6 Prozent (Vorjahr 5,1) PM vom 23.09.2026

Verlauf

Am 23. Juli 2024 unterschrieb Bosch die Verträge für die größte Akquisition der Firmengeschichte. Die Gruppe kaufte das weltweite Geschäft mit Heizungs-, Lüftungs- und Klimalösungen für Wohn- und kleine Gewerbegebäude von Johnson Controls und dazu das Gemeinschaftsunternehmen Johnson Controls-Hitachi Air Conditioning vollständig, einschließlich des 40-Prozent-Anteils von Hitachi. Der Kaufpreis: 8 Milliarden US-Dollar, damals 7,4 Milliarden Euro. Die übernommenen Einheiten hatten 2023 rund vier Milliarden Euro Umsatz und etwa 12.000 Beschäftigte, verteilt auf 16 Produktions- und 12 Entwicklungsstandorte in mehr als 30 Ländern. Dazu gehören die US-Marken York und Coleman und, per Langfristlizenz, Hitachi in Asien.

In der Mitteilung von damals ist Fischer als der Manager genannt, der für die strategischen Wachstumsinitiativen der Gruppe „und damit auch für diese geplante Akquisition“ verantwortlich ist. Er begründete den Kauf mit einer Zahl: „Bosch beschleunigt mit dem Zukauf sein Wachstum und wird seinen Umsatz im Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsmarkt auf etwa neun Milliarden Euro fast verdoppeln.“ Vollzogen wurde die Übernahme laut Fachportal elektro.net am 31. Juli 2025.

Ein Jahr später steht die Wirkung in der Halbjahresbilanz. Der Unternehmensbereich Energy and Building Technology wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 45,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 52,0 Prozent. Die übrigen Bereiche entwickelten sich schwächer. Mobility, mit 27,8 Milliarden Euro der größte Bereich, lag 0,5 Prozent unter dem Vorjahr, Consumer Goods 2,9 Prozent. Das operative Ergebnis sank von 2,3 auf 2,2 Milliarden Euro. Bosch nennt als Hauptgrund Sondereffekte im Mobility-Geschäft.

Eine zweite Zahl gehört zum Bild. Ende Juni 2026 beschäftigte die Gruppe 406.225 Menschen, Ende 2025 waren es rund 413.000. Die Investitionen in Sachanlagen gingen im Halbjahr von 1,7 auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Finanzchef Markus Forschner sprach bei der Vorlage der Zahlen von eingeleiteten „Strukturanpassungen und Kostenarbeit“, die Bosch weiterverfolge.

Mit Zukäufen und Umbau hat Fischer Erfahrung, das zeigt der Lebenslauf. Bei Roland Berger arbeitete er ab 1999 im Kompetenzzentrum für Restrukturierung und Unternehmensfinanzierung, 2004 wurde er Finanzvorstand und Chief Restructuring Officer der Walter Bau AG. Danach wechselte er zu Smartrac nach Amsterdam, 2006 als Finanzvorstand, ab 2007 als Vorstandsvorsitzender. Bosch beschreibt diese Zeit in der Mitteilung vom 26. Juni so: Fischer habe ein RFID-Unternehmen „vom jungen Start-up zum TecDAX-notierten globalen Marktführer“ ausgebaut.

Im Oktober 2018 kam er in die Bosch-Geschäftsführung zurück, in das Haus, in dem er 1996 als Trainee angefangen hatte. Zuletzt verantwortete er neben den Wachstumsinitiativen den Bereich Consumer Goods, das Portfolio-Management und die Entwicklung der obersten Führungskräfte. Als Vorsitzender hat er laut Lebenslauf Unternehmensstrategie, Kommunikation und Regierungsbeziehungen übernommen, dazu weiter Consumer Goods, die BSH Hausgeräte GmbH und die Einheit Value Accelerator and Portfolio Companies.

Mit dem Wechsel hat Bosch die engere Führung neu geordnet. Markus Forschner, Finanzchef seit 2022, und Markus Heyn, seit 2022 Chef des Bereichs Mobility, sind seit 1. Juli stellvertretende Vorsitzende. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer sagte zur Berufung, Fischer werde „die Umsetzung der Strategie konsequent vorantreiben“.

Einordnung

Bosch gehört zu 94 Prozent der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung. Die Stimmrechte liegen mehrheitlich bei der Robert Bosch Industrietreuhand KG, deren Gesellschafter Fischer seit Januar 2022 ist. Ein Kurswert, an dem sich eine Akquisition messen ließe, existiert deshalb nicht. Gemessen wird sie an Umsatz, Rendite und Beschäftigung, und diese Zahlen legt Bosch seit 2026 erstmals auch zur Jahresmitte vor.

Was das für Unternehmer heißt: Ein Zukauf, der ein Geschäftsfeld fast verdoppelt, zeigt sich zuerst beim Umsatz und erst später bei der Rendite. Wer ähnlich wachsen will, sollte vorher festlegen, an welcher Kennzahl er den Kauf nach zwei Jahren misst. Bei Bosch ist die operative EBIT-Rendite 2026 bisher gefallen, obwohl der Umsatz gestiegen ist.

Kurz gesagt: Der neue Bosch-Chef wird an einer Entscheidung gemessen, die er selbst vorbereitet hat.

Quellen

Quellen