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Evonik lehnt BASF-Angebot ab – RAG-Stiftung entscheidet

Der Chemiekonzern Evonik lehnte am 28. September 2026 ein Übernahmeangebot von BASF über 22,15 Euro je Aktie ab, wie das Handelsblatt berichtete.

Von Ricarda Nolte, Redakteurin Märkte & Branchen, Meldungen

Evonik lehnt BASF-Angebot über 22,15 Euro ab – RAG-Stiftung entscheidet
Symbolbild: Erstes Blatt (KI-generiert)

Der Chemiekonzern Evonik lehnte am 28. September 2026 ein Übernahmeangebot von BASF über 22,15 Euro je Aktie ab, wie das Handelsblatt berichtete. Die Entscheidung liegt bei der RAG-Stiftung, die laut Spiegel 43 Prozent der Anteile hält. BASF arbeitet nach Angaben des Handelsblatts weiter an der Übernahme, die einschließlich Schuldenübernahme mindestens 14 Milliarden Euro kosten würde, wie die FAZ berichtet.

Die Ablehnung lässt zwei Lesarten zu. Erste Lesart: Evonik nutzt die Absage als Verhandlungstaktik, um einen höheren Preis zu erzielen. Das Angebot entspricht laut Spiegel einem Aufschlag von gut 28 Prozent auf den Aktienkurs vor den ersten Übernahmespekulationen in der Vorwoche. Die Evonik-Aktie stieg am 28. September 2026 um bis zu 2,5 Prozent auf 19,85 Euro, berichtete der Spiegel. Das Handelsblatt schreibt, die Ablehnung einer ersten Offerte komme nicht überraschend.

Zweite Lesart: Die RAG-Stiftung blockiert die Transaktion aus politischen Gründen. Das Kuratorium der Stiftung ist laut FAZ mit zwei Bundesministern, zwei Ministerpräsidenten und dem Chef der Chemiegewerkschaft besetzt. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sagte laut Spiegel: „Jede Lösung muss sich daran messen lassen, ob sie den Investitionen an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und den Menschen, die dort arbeiten, eine Zukunft gäbe." Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Chemie-Gewerkschaft IGBCE, erklärte laut Wirtschaftswoche: „Für die Beschäftigten und Standorte von BASF wie von Evonik braucht es vielmehr Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen."

Die Rolle der RAG-Stiftung

Die RAG-Stiftung entscheidet über das Schicksal der Transaktion. Ob das Geschäft zustande komme, liege alleine in der Hand der Stiftung und damit mehr oder weniger der Politik, schreibt die FAZ. Die politische Besetzung des Kuratoriums macht die Übernahme zu einer Frage, die über den Kaufpreis hinausgeht.

Folgen für Beschäftigte und Standorte

Bei Evonik sind laut Wirtschaftswoche schätzungsweise 20.000 Mitarbeitende in Deutschland beschäftigt, bei BASF knapp unter 50.000. Nach Schätzungen aus Beraterkreisen könnten bei Evonik nach einer Fusion bis zu 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, berichtet die Wirtschaftswoche. Berater rechnen laut Wirtschaftswoche mit weiteren Synergien von rund 300 Millionen Euro pro Jahr durch die mögliche Fusion.

Evonik hatte im Februar 2026 seine Dividende an die Gewinnentwicklung gekoppelt, um mehr Spielraum für Investitionen zu behalten, wie die FAZ berichtet. Diese Entscheidung deutet darauf hin, dass das Unternehmen eigenständig in die Zukunft investieren wollte.

Was das für Berater heißt

Transaktionsberater müssen bei Übernahmen mit politisch besetzten Großaktionären zwei Verhandlungsebenen bedienen: den Kaufpreis und die Standortzusagen. Wer eine Offerte abgibt, sollte von Anfang an konkrete Investitionszusagen und Beschäftigungsgarantien mitliefern, wenn der Hauptaktionär politisch besetzt ist. Die Ablehnung einer ersten Offerte ist in solchen Konstellationen die Regel, nicht die Ausnahme.