Ausgabe vom Donnerstag, 24. September 2026
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KapitalEinordnung

Kapitalmonitor September 2026: 12.812 Insolvenzen im Halbjahr, eine Freigabe

Die Startausgabe des Kapitalmonitors zählt, was bis zum 22. September 2026 amtlich belegt ist: 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr, so viele wie seit 2013 nicht, dazu elf Fusionsfreigaben mit Pressemitteilung des Bundeskartellamts seit Juli, eine davon im September.

Von Jakob Steinhauer, Redakteur Kapital & Einordnung4 Min. Lesezeit

Kapitalmonitor September 2026: 12.812 Insolvenzen im Halbjahr, eine Freigabe
Symbolbild: Erstes Blatt (KI-generiert)
Kapitalmonitor2026-09VormonatDelta
Unternehmensinsolvenzen Juni 2026Destatis, 11.09.20262.266+15,8 % zum Vorjahresmonat
Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026Destatis, 11.09.202612.812+6,7 % zum Vorjahr
Gläubigerforderungen 1. Halbjahr 2026Destatis, 11.09.202618,5 Mrd. €28,2 Mrd. €−9,7 Mrd. €
Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, Verkehr und Lagerei (H1)Destatis, 11.09.202671,6gesamt 36,2
Fusionsfreigaben mit Pressemitteilung, September (bis 22.9.)Bundeskartellamt13−2 zum August
Fusionsfreigaben mit Pressemitteilung, Juli bis 22. SeptemberBundeskartellamt11

Methodik Startzählung bis 22. September 2026: Unternehmensinsolvenzen aus der jüngsten Destatis-Veröffentlichung (Berichtsmonat Juni 2026, Vorjahresvergleich laut Destatis); Fusionsfreigaben nur mit Pressemitteilung des Bundeskartellamts, gezählt nach Datum der Mitteilung. Vormonatsvergleiche für alle Zeilen ab Oktober.

Stand: 22. September 2026. Startausgabe. Der Kapitalmonitor zählt jeden Monat, was sich in der deutschen Unternehmensfinanzierung amtlich belegen lässt: Übernahmen, Insolvenzen und, sobald die Zählung steht, Börsengänge und Finanzierungen mit Kopf. Die erste Ausgabe ist bewusst klein. Sie enthält nur Zahlen, für die es eine amtliche Quelle mit Datum gibt.

Die Zahl des Monats: 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine höhere Zahl gab es laut Statistischem Bundesamt zuletzt im ersten Halbjahr 2013 mit 13.253 Fällen.

1. Insolvenzen

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am 11. September die Zahlen für Juni 2026 veröffentlicht. Die Amtsgerichte registrierten 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 15,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Destatis weist darauf hin, dass ein Antrag erst nach der ersten Entscheidung des Gerichts in die Statistik eingeht. Der eigentliche Antrag liegt oft rund drei Monate früher. Die Juni-Zahl beschreibt also Entscheidungen aus dem Frühjahr.

Kennzahl Wert Vergleich Quelle
Unternehmensinsolvenzen Juni 2026 2.266 +15,8 % zum Juni 2025 Destatis, 11.09.2026
Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 12.812 +6,7 % zum 1. Halbjahr 2025 Destatis, 11.09.2026
Forderungen der Gläubiger, 1. Halbjahr rund 18,5 Mrd. € 1. Halbjahr 2025: rund 28,2 Mrd. € Destatis, 11.09.2026
Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gesamt 36,2 Destatis, 11.09.2026
Verkehr und Lagerei 71,6 höchster Wert der Abschnitte Destatis, 11.09.2026
Gastgewerbe 59,6 Destatis, 11.09.2026
Baugewerbe 53,4 Destatis, 11.09.2026
Verbraucherinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 38.932 +2,4 % Destatis, 11.09.2026

Mehr Fälle, aber weniger Geld: Die Forderungen sind trotz steigender Fallzahl um fast zehn Milliarden Euro gesunken. Destatis erklärt das damit, dass im ersten Halbjahr 2025 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten. Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger große Fälle darunter. Nach Branche gerechnet ist das Risiko im Transportgewerbe fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt.

2. Übernahmen

Das Bundeskartellamt hat zwischen dem 1. Juli und dem 22. September 2026 elf Fusionsfreigaben mit einer eigenen Pressemitteilung bekannt gemacht: sieben im Juli, drei im August, eine im September.

Monat Freigaben mit Pressemitteilung Fälle
Juli 2026 7 Holtzbrinck/Springer Nature (7.7.), SAP/Dremio und Prior Labs (8.7.), Dutech/Accell (8.7.), Ravensburger/Steiff (9.7.), RWE/Amprion (17.7.), Motorola Solutions/D-Fend (30.7.), Deutz/FFG (31.7.)
August 2026 3 CSG/zwei ungarische Gruppen (11.8.), Merck KGaA/Bio-Techne (17.8.), Lockheed Martin/Ultra Electronics (26.8.)
September 2026 (bis 22.9.) 1 Kemira/Sidra Wasserchemie (18.9., nach Hauptprüfverfahren)

Quelle: Pressemitteilungen des Bundeskartellamts, gezählt nach Veröffentlichungsdatum.

Die einzige Freigabe im September betrifft ein deutsches Familienunternehmen. Der finnische Chemiekonzern Kemira kauft die Sidra Wasserchemie aus Ibbenbüren für rund 75 Millionen Euro, wie Kemira im Februar mitgeteilt hatte. Das Amt hat den Fall im Hauptprüfverfahren untersucht, bevor es ihn freigab. Die Einzelheiten stehen in unserer Entscheidung der Woche.

Was die Zahlen zeigen

Erste Lesart: Die Insolvenzwelle erreicht vor allem kleine Unternehmen in Branchen mit dünnen Margen, Transport, Gastgewerbe und Bau. Dafür sprechen die steigende Fallzahl bei sinkender Forderungssumme und die Häufigkeit nach Abschnitten. Zweite Lesart: Die Zahl bildet Entscheidungen aus dem Frühjahr ab und hinkt der Lage hinterher, weil die Gerichte erst nach der ersten Entscheidung melden. Beide Lesarten passen zu den Destatis-Zahlen. Welche trägt, zeigt die Juli-Zahl, die im Oktober erscheint.

Bei den Übernahmen ist die Zählung noch zu kurz für eine Aussage. Elf Freigaben mit Pressemitteilung in knapp drei Monaten sagen mehr über die Pressearbeit des Amts als über den Markt.

Methodik

Der Kapitalmonitor ist eine Zählung, keine Anlageempfehlung. Insolvenzen stammen aus der jeweils jüngsten Veröffentlichung von Destatis (Tabelle 52411); Vorjahresvergleiche übernehmen wir unverändert. Bei den Übernahmen zählen wir nur Freigaben, zu denen das Bundeskartellamt eine Pressemitteilung veröffentlicht hat. Das ist ein kleiner Teil aller Freigaben; die übrigen Verfahren führt das Amt in seiner Übersicht der Fusionskontrollverfahren. Kaufpreise nennen wir nur, wenn ein Beteiligter sie genannt hat. Ab der Oktober-Ausgabe kommen Vormonatswerte für alle Zeilen, Börsengänge und Anleihen aus Emittentenmitteilungen und Finanzierungsrunden mit genanntem Kopf hinzu.

Änderungsprotokoll: 22. September 2026, Startausgabe.

Quellen

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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