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Kapitalmonitor September 2026: 12.812 Insolvenzen im Halbjahr, eine Freigabe
Die Startausgabe des Kapitalmonitors zählt, was bis zum 22. September 2026 amtlich belegt ist: 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr, so viele wie seit 2013 nicht, dazu elf Fusionsfreigaben mit Pressemitteilung des Bundeskartellamts seit Juli, eine davon im September.
Von Jakob Steinhauer, Redakteur Kapital & Einordnung

Stand: 22. September 2026. Startausgabe. Der Kapitalmonitor zählt jeden Monat, was sich in der deutschen Unternehmensfinanzierung amtlich belegen lässt: Übernahmen, Insolvenzen und, sobald die Zählung steht, Börsengänge und Finanzierungen mit Kopf. Die erste Ausgabe ist bewusst klein. Sie enthält nur Zahlen, für die es eine amtliche Quelle mit Datum gibt.
Die Zahl des Monats: 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine höhere Zahl gab es laut Statistischem Bundesamt zuletzt im ersten Halbjahr 2013 mit 13.253 Fällen.
1. Insolvenzen
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am 11. September die Zahlen für Juni 2026 veröffentlicht. Die Amtsgerichte registrierten 2.266 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 15,8 Prozent mehr als im Juni 2025. Destatis weist darauf hin, dass ein Antrag erst nach der ersten Entscheidung des Gerichts in die Statistik eingeht. Der eigentliche Antrag liegt oft rund drei Monate früher. Die Juni-Zahl beschreibt also Entscheidungen aus dem Frühjahr.
| Kennzahl | Wert | Vergleich | Quelle |
|---|---|---|---|
| Unternehmensinsolvenzen Juni 2026 | 2.266 | +15,8 % zum Juni 2025 | Destatis, 11.09.2026 |
| Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 | 12.812 | +6,7 % zum 1. Halbjahr 2025 | Destatis, 11.09.2026 |
| Forderungen der Gläubiger, 1. Halbjahr | rund 18,5 Mrd. € | 1. Halbjahr 2025: rund 28,2 Mrd. € | Destatis, 11.09.2026 |
| Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gesamt | 36,2 | Destatis, 11.09.2026 | |
| Verkehr und Lagerei | 71,6 | höchster Wert der Abschnitte | Destatis, 11.09.2026 |
| Gastgewerbe | 59,6 | Destatis, 11.09.2026 | |
| Baugewerbe | 53,4 | Destatis, 11.09.2026 | |
| Verbraucherinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 | 38.932 | +2,4 % | Destatis, 11.09.2026 |
Mehr Fälle, aber weniger Geld: Die Forderungen sind trotz steigender Fallzahl um fast zehn Milliarden Euro gesunken. Destatis erklärt das damit, dass im ersten Halbjahr 2025 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten. Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger große Fälle darunter. Nach Branche gerechnet ist das Risiko im Transportgewerbe fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt.
2. Übernahmen
Das Bundeskartellamt hat zwischen dem 1. Juli und dem 22. September 2026 elf Fusionsfreigaben mit einer eigenen Pressemitteilung bekannt gemacht: sieben im Juli, drei im August, eine im September.
| Monat | Freigaben mit Pressemitteilung | Fälle |
|---|---|---|
| Juli 2026 | 7 | Holtzbrinck/Springer Nature (7.7.), SAP/Dremio und Prior Labs (8.7.), Dutech/Accell (8.7.), Ravensburger/Steiff (9.7.), RWE/Amprion (17.7.), Motorola Solutions/D-Fend (30.7.), Deutz/FFG (31.7.) |
| August 2026 | 3 | CSG/zwei ungarische Gruppen (11.8.), Merck KGaA/Bio-Techne (17.8.), Lockheed Martin/Ultra Electronics (26.8.) |
| September 2026 (bis 22.9.) | 1 | Kemira/Sidra Wasserchemie (18.9., nach Hauptprüfverfahren) |
Quelle: Pressemitteilungen des Bundeskartellamts, gezählt nach Veröffentlichungsdatum.
Die einzige Freigabe im September betrifft ein deutsches Familienunternehmen. Der finnische Chemiekonzern Kemira kauft die Sidra Wasserchemie aus Ibbenbüren für rund 75 Millionen Euro, wie Kemira im Februar mitgeteilt hatte. Das Amt hat den Fall im Hauptprüfverfahren untersucht, bevor es ihn freigab. Die Einzelheiten stehen in unserer Entscheidung der Woche.
Was die Zahlen zeigen
Erste Lesart: Die Insolvenzwelle erreicht vor allem kleine Unternehmen in Branchen mit dünnen Margen, Transport, Gastgewerbe und Bau. Dafür sprechen die steigende Fallzahl bei sinkender Forderungssumme und die Häufigkeit nach Abschnitten. Zweite Lesart: Die Zahl bildet Entscheidungen aus dem Frühjahr ab und hinkt der Lage hinterher, weil die Gerichte erst nach der ersten Entscheidung melden. Beide Lesarten passen zu den Destatis-Zahlen. Welche trägt, zeigt die Juli-Zahl, die im Oktober erscheint.
Bei den Übernahmen ist die Zählung noch zu kurz für eine Aussage. Elf Freigaben mit Pressemitteilung in knapp drei Monaten sagen mehr über die Pressearbeit des Amts als über den Markt.
Methodik
Der Kapitalmonitor ist eine Zählung, keine Anlageempfehlung. Insolvenzen stammen aus der jeweils jüngsten Veröffentlichung von Destatis (Tabelle 52411); Vorjahresvergleiche übernehmen wir unverändert. Bei den Übernahmen zählen wir nur Freigaben, zu denen das Bundeskartellamt eine Pressemitteilung veröffentlicht hat. Das ist ein kleiner Teil aller Freigaben; die übrigen Verfahren führt das Amt in seiner Übersicht der Fusionskontrollverfahren. Kaufpreise nennen wir nur, wenn ein Beteiligter sie genannt hat. Ab der Oktober-Ausgabe kommen Vormonatswerte für alle Zeilen, Börsengänge und Anleihen aus Emittentenmitteilungen und Finanzierungsrunden mit genanntem Kopf hinzu.
Änderungsprotokoll: 22. September 2026, Startausgabe.