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Öffentliches Defizit steigt auf 98,8 Milliarden Euro

Das Statistische Bundesamt teilte am 2. Oktober 2026 mit, das Finanzierungsdefizit des Öffentlichen Gesamthaushalts sei im 1. Halbjahr 2026 auf 98,8 Milliarden Euro gestiegen.

Von Jakob Steinhauer, Redakteur Kapital & Einordnung

Öffentliches Defizit steigt auf 98,8 Milliarden Euro
Symbolbild: Erstes Blatt (KI-generiert)

Das Finanzierungsdefizit des Öffentlichen Gesamthaushalts sei im 1. Halbjahr 2026 auf 98,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am 2. Oktober 2026 mit. Das entspreche einem Anstieg um 69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem das Defizit laut Bundesamt bei 58,5 Milliarden Euro gelegen habe. Erste Lesart: Die Steuerentlastungen bei Strom und Kraftstoffen stützen die Liquidität der Unternehmen und dämpfen die Konjunktur nicht weiter. Zweite Lesart: Das Defizit wächst strukturell, und die Zinsausgaben steigen schneller als die Einnahmen, was mittelfristig zu Steuererhöhungen oder Kürzungen bei Förderprogrammen führen könnte.

Einnahmen wachsen langsamer als Ausgaben

Die Einnahmen des Öffentlichen Gesamthaushalts hätten im 1. Halbjahr 2026 bei 1 011,8 Milliarden Euro gelegen, so das Bundesamt. Das entspreche einem Wachstum von rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben seien im selben Zeitraum auf 1 110,6 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von rund 6 Prozent. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben habe sich damit weiter geöffnet.

Die Steuereinnahmen des Bundes seien im 1. Halbjahr 2026 um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, berichtet das Bundesamt. Als Gründe nennt die Behörde Entlastungsmaßnahmen bei Strom- und Energiesteuer sowie einen Einbruch der Tabaksteuereinnahmen. Durch diese Faktoren habe der Bund etwa 3,3 Milliarden Euro weniger eingenommen als im 1. Halbjahr 2025.

Zwei Entlastungsmaßnahmen seit Jahresbeginn

Der Bund habe die Stromsteuer für das Produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft zum 1. Januar 2026 gesenkt, so das Bundesamt. Im Mai und Juni 2026 habe der Bund zudem einen Tankrabatt durch Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe durchgeführt. Beide Maßnahmen hätten die Steuereinnahmen des Bundes belastet.

Das Finanzierungsdefizit des Bundes habe im 1. Halbjahr 2026 bei 72,3 Milliarden Euro gelegen, mehr als das Doppelte des Defizits von 30,0 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2025, berichtet das Bundesamt. Der Bund trage damit den größten Teil des Gesamtdefizits.

Zinsausgaben steigen um 21,2 Prozent

Die Zinsausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts seien im 1. Halbjahr 2026 um 21,2 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Bundesamt mit. Dieser Anstieg belaste die Ausgabenseite zusätzlich zu den Entlastungsmaßnahmen. Wie hoch die Zinsausgaben im 1. Halbjahr 2025 absolut gewesen seien, nennt die Mitteilung nicht.

Was das für Unternehmer heißt

Unternehmen im Produzierenden Gewerbe und in der Landwirtschaft profitieren seit Januar 2026 von der gesenkten Stromsteuer, alle Unternehmen, die Kraftstoffe nutzen, profitierten im Mai und Juni 2026 von der gesenkten Energiesteuer. Das gestiegene Defizit könnte mittelfristig zu höheren Steuern oder Kürzungen bei Förderprogrammen führen, ein konkreter Zeitpunkt dafür ist nicht belegt. Wer mit Staatsausgaben rechnet, sollte die Entwicklung der Zinsausgaben im Blick behalten: Sie wachsen schneller als die Einnahmen.